"Anfang des Jahres hätte ich noch nicht gedacht, was sich im Jahr 2020 alles an der Art meiner Arbeit ändern würde."

Berater bei Thalamus

„New Normal“ Arbeiten?
Ein persönliches Tagebuch eines Beraters während der Pandemie.

 

Anfang des Jahres hätte ich noch nicht gedacht, was sich im Jahr 2020 alles an der Art meiner Arbeit ändern würde. Ich bin schon seit über einem Jahrzehnt in der Beratung tätig und es war üblich, dass der Großteil meiner Arbeit direkt bei meinen Kund:innen stattgefunden hatte. Das bedeutete Sonntagabend den Koffer packen, um sich Montagmorgen auf den Weg zu machen. Dort vor Ort unterstützte ich die Kund:innen, dass möglichst viele Mitarbeiter:innen den digitalen Arbeitsplatz nutzen konnten. An sich paradox, wenn man sich das überlegt.

Der digitale Arbeitsplatz macht es möglich von überall aus zuarbeiten und mir wäre das als Berater für den Modern Workplace ein leichtes Unterfangen. Aber die Mehrheit der Kund:innen wollte dennoch immer meine Anwesenheit vor Ort.

Mein persönliches Credo ist schon seit vielen Jahren, dass die Arbeit, die man für ein Projekt erledigt, nicht von einem Büro abhängig ist. Leider fehlt vielen der Mut bisher dazu. Viel zu groß ist die Sorge, dass man im mobilen Büro nicht die Motivation für die Arbeit aufbringt, zielstrebig seine Aufgaben erledigt oder die Kommunikation darunter leidet. Dann kam der erste Lockdown im März und alles war anders.

Jetzt waren der Druck und Zwang groß schnell die Unternehmen auf ein mobiles Arbeiten umzustellen.

Während der Pandemie begann mein neues Projekt. Es ergaben sich viele neue Fragen für mich.
Schließlich war ich es gewohnt, dass man immer in Persona ein Projekt zusammen begann und dann nach einiger Zeit vielleicht ein Tag die Woche mobiles Arbeiten möglich war.

Die großen Fragen waren:
– Trifft man sich zum Kickoff des neuen Projekts in echt oder digital?
– Wie schafft man es Vertrauen aufzubauen, wo man sich doch gar nicht persönlich kennt und sieht?
– Wie bekommt man Zugang zum System?

Und tatsächlich, dass Arbeiten im Jahr 2020 hat sich komplett anders entwickelt als man dachte.
„New normal“ heißt jetzt eine Online Teams Besprechung nach der Nächsten.

Aber die Entwicklung ist aus meiner Sicht durchweg positiv.

Der Kickoff zum Projekt fand tatsächlich komplett digital statt. Der Zugang zu den Systemen funktioniert bis heute komplett aus der Ferne und der persönliche Kontakt stellte nur anfänglich eine Hürde dar.

Aber der Reihe nach…

Durch den Lockdown im März hatte sich unser Kunde dazu entschieden keine externen Mitarbeiter mehr in die Büros zu lassen. Auch die Mitarbeiter des Kunden wurden zu nahezu 100 Prozent ins mobile Arbeiten verlagert. Somit war ein Kickoff vor Ort im Büro nicht möglich. Da man sich nicht live sehen konnte, wurde das Projekt komplett remote begonnen. Und das ist bis zum heutigen Tage so.

Anfangs bekam ich nur über Teams Zugriff auf die Umgebung und konnte mich mit den Projektmitarbeitern über Videotelefonie oder Desktopsharing austauschen und am aktuellen Projekt mitarbeiten.

Man merkte, dass die Arbeit teilweise noch etwas schwierig war, weil keiner gewöhnt war komplett digital zu arbeiten. Oftmals haben wichtige Gespräche, die man sonst in der Kaffeeküche oder in der Mittagspause führt, nicht stattgefunden. Aber nach und nach änderte sich das. Durch gewonnenes Vertrauen und regelmäßige Jour Fixe Termine oder Daily Stand-Up Meetings schwanden diese Hürden. Wo anfangs noch die Sorge war, ob man den Kolleg:innen kurz anschreiben oder über Teams anrufen kann, wich das Ganze dem, dass man es einfach tut. Die Hemmschwelle sank nach und nach.
Die Gespräche aus der Kaffeeküche finden jetzt im Teams Meeting statt.

Selbst als wir uns dazu entschlossen haben, während der besseren COVID-19 Lage dem Homeoffice in ein einsames Weingut in der Toskana zu entfliehen war die Arbeit (zumindest halbtags) nach wie vor möglich. Keiner nahm an, dass man in dieser Zeit seine Arbeit vernachlässigte. Und die neuen Eindrücke der malerischen Städtchen und Weinberge ließen einen mit neuem Elan in den nächsten Tag starten.

Auch die Frage des Zugangs auf die Systeme erübrigte sich sehr schnell. Dadurch dass der/die Kund:in mit dem Microsoft Endpoint Manager schon sehr fortschrittlich war, bekam ich nach einigen Wochen einen Laptop zugesandt, der mittels Windows Autopilot innerhalb einer Stunde lauffähig war. Somit konnte ich sofort aktiv im Projekt mitarbeiten.

Seitdem arbeite ich mit dem zur Verfügung gestellten Laptop als wäre ich vor Ort.

Es war für jeden eine neue Situation, aber wir haben uns eingegrooved. Und das wirkliche großartige für mich als Berater. Seit März musste ich nicht mehr verreisen. Keine langen Autofahrten und kein Frieren am Bahnhof mehr. Meine Frau freut sich und Greta Thunberg auch.

Was zu hoffen bleibt ist: Vertrauen die Unternehmen auch nach dem Ende der Pandemie weiter Ihren Mitarbeitern? Kann das mobile Arbeiten im „New Normal“ nachhaltig funktionieren? Viel Zeit und Kilometer bleiben jährlich auf der Strecke. Und was ist der Mehrwert davon? Volle Großraumbüros, andauernde Meetings und Projekträume. Darauf könnte ich auch in Zukunft verzichten. Sinnvoller für mich finde ich es fokussierter an meiner Arbeit dran zu bleiben und dass ohne viele Ablenkungen im Büro.

In diesem Sinne: lassen Sie uns dem „New normal“ eine Chance geben. Es wird sich lohnen.

Was arbeitet eigentlich ein IT-Berater?

Was ist eigentlich sein Job? Was ist der Unterschied zwischen einem Fachinformatiker und einem IT-Berater?

Alles hier im nächsten Blogbeitrag.